
Es beginnt wie eine gute Tat.
Die Stuhrer Dorfjugend sammelt Weihnachtsbäume ein. Online anmelden, spenden, Baum an die Straße – zack, erledigt. Ehrenamt, Nachwuchs, Zukunft. Großartig.
Ich also voller Tatendrang: Baum vom Schnee befreien, aus dem Ständer lösen, kurz auf den Terrassentisch wuchten, morgen ist er weg. Routine. Was soll schon schiefgehen? Alles.
Ich schwinge den Baum hoch. Der Baum schwingt zurück.
Ich schreie „NEIN!“. Der Baum ignoriert mich.
In einem verzweifelten inneren Monolog rechne ich in Millisekunden meine Überlebenschancen durch: Auf den Hintern fallen! Baum wegstoßen! Kontrolle behalten!
Falsch gedacht. 😃
Die Physik, diese gnadenlose Sau, entscheidet anders. Mein Oberkörper nach vorne, Beine nach hinten, Weihnachtsbaum über den Nacken auf den Rücken. Abgang wie bei „Schlag den Raab“, nur ohne Publikum und mit mehr Schnee.
Ergebnis: Ich liege flach wie eine Flunder neben dem Terrassentisch. Patschnass. Lachend. Besiegt.
Nachbar Kai kommentiert trocken: „War aber knapp.“
Fazit:
Der Baum wird morgen abgeholt.
Meine Würde liegt noch irgendwo im Schnee.
Weihnachtsbäume haben einen eigenen Willen.


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